Stendals Oberbürgermeister zu Besuch bei der Vinzelberger Agrar GmbH
Geschäftsführer Johannes Behrens berichtet über Ausbildungsnachfrage, Kooperationen und Herausforderungen in der Landwirtschaft
Der Oberbürgermeister der Hansestadt Stendal, Bastian Sieler, hat am Montag, dem 24.08.2026, gemeinsam mit der Wirtschaftsförderin der Hansestadt Stendal, Sandra Slusarek, dem Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Köhn und der Geschäftsführerin der WGZ BIC Altmark GmbH, Katja Bricke, die Vinzelberger Agrar GmbH besucht.
Geschäftsführer Johannes Behrens berichtete dabei, dass sich in diesem Jahr mehr junge Menschen für eine Ausbildung in der Landwirtschaft interessieren und sich auch beworben haben. Zu diesem Ergebnis hätten auch die Azubimessen des Landkreises Stendal beigetragen, über die der Betrieb zwei Lehrlinge gewinnen konnte. Zudem habe eine Kooperation mit der Diesterweg Sekundarschule in Stendal geholfen: Im Rahmen der Praxislerntage hätten Schülerinnen und Schüler den Betrieb kennengelernt und Interesse entwickelt. Die Berufsschule der angehenden Landwirte befindet sich in Salzwedel; dort können die Auszubildenden auch im Internat wohnen.
Behrens selbst beendete 2015 sein Landwirtschaftsstudium und kehrte auf den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb in Käthen zurück. Sein Interesse an alternativen Bewirtschaftungsformen und einer stärkeren Diversifizierung führte dazu, dass er sich intensiver mit dem ökologischen Landbau beschäftigte. Mit Unterstützung seiner Familie entschied er sich schließlich, diesen Bereich weiterzuentwickeln und einen Bio-Betrieb aufzubauen. Seit 2018 leiten er und sein Vater Carsten Behrens die Geschicke in der benachbarten Vinzelberger Agrar GmbH.
Johannes Behrens zeigte sich dankbar dafür, dass sein Vater ihm bei Entscheidungen stets „freie Hand“ gelassen habe. Gerade die Vielfalt des Betriebes mache ihn für Auszubildende interessant, die in der Landwirtschaft über den Tellerrand hinausschauen wollten.
In Vinzelberg werden 580 Hektar Ackerflächen bewirtschaftet. Im Fokus stehen derzeit unter anderem Mais, Dinkel, Sonnenblumen, Zuckerrüben und Weizen. Behrens sagte dazu, dass es in diesem Jahr pflanzenbaulich gut laufe, weil das kühle und feuchte Frühjahr dem Wachstum sehr förderlich gewesen sei. Ohne die zweiwöchige Hitze wären demnach wahrscheinlich außergewöhnliche Erträge möglich gewesen.
Gleichzeitig sei der Getreidepreis unterdurchschnittlich, was die Betriebe vor Herausforderungen stelle und die Landwirtschaft unter Druck setze. Auch die Aufwendungen für Agrartechnik, Düngemittel und Diesel seien stark gestiegen. Deshalb habe das Unternehmen in Photovoltaikanlagen auf den Dächern investiert.
Beim anschließenden Rundgang zeigte der Geschäftsführer die kleinen Kälbchen und die Wagyu-Rinder. Behrens erläuterte, dass ein Wagyu-Rind einer traditionellen japanischen Rinderrasse zuzuordnen sei und das Fleisch als sehr kostbar gelte. Mit Beginn der Vermarktung soll ein Grillfest stattfinden, bei dem ein Spitzenkoch verschiedene Teilstücke des Rindes als Delikatesse zubereitet. Zudem sagte Behrens, ein Bulle könne schon einmal über 500 Kilogramm Schlachtgewicht auf die Waage bringen.
Zukünftig möchte der junge Landwirt gemeinsam mit seiner Frau Janina Behrens die Vermarktung beim Fleischverkauf der Wagyu-Rinder voranbringen.
Im Gespräch stellten Bastian Sieler und Sandra Slusarek außerdem die Unternehmerdialoge vor. Das Format der städtischen Wirtschaftsförderung vernetzt Unternehmen, bietet Vorträge, Workshops und den Austausch mit der Unternehmerschaft. Gleichzeitig werden im Rahmen von Unternehmensbesuchen gezielt Betriebe im Verwaltungsgebiet aufgesucht, um sie kennenzulernen, sich auszutauschen und Problemstellungen anzusprechen.
Themen des Austauschs waren auch die anstehende 14-monatige Vollsperrung der Bahnstrecke Hannover-Berlin durch die Deutsche Bahn AG sowie die Forderung des Oberbürgermeisters nach einem angemessenen Ersatz für Pendler. Ebenfalls erörtert wurde die Gewerbegebietsentwicklung in der Stadt.
Zum Abschluss verabschiedete sich Bastian Sieler mit der Einschätzung, die moderne Landwirtschaft stehe vor großen Herausforderungen. Er äußerte sich beeindruckt darüber, wie diese bewältigt würden, und wünschte dem Unternehmen sowie seinen Mitarbeitern stabile Erträge und stets ein Quäntchen Glück mit dem Wetter.
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